Cheetah`s-Rock live

 

Geparde zum anfassen

 

Brigitte Brach 2007

 

 

  

Zur Einleitung erst einmal meinen herzlichsten Dank an Familie Heidenreich, die es mir ermöglichte, „meine“ Lieblinge, die Geparde, hautnah zu erleben.

Danke auch für die herzliche Gastfreundlichkeit und den „Zauber“ einer unberührten Natur mit vielen Tieren.

 

Die Cheetah`s  zu berühren, mit ihnen zu schmusen – es war ein unbeschreibliches Glücksgefühl.

 

 

 

Ich konnte mir nur andeutungsweise vorstellen, was mich auf Cheetah`s Rock erwartet.

 
Wie verhalten sich Geparde in "Gefangenschaft"? Ist die Muskulatur erschlafft? Sind die angeborenen Instinkte verloren gegangen?

Ich wurde in diesen 8 Tagen eines besseren belehrt, habe das Verhalten der vier eigenen Tiere von Familie Heidenreich und den Gastkater Hannibal die ganzen Tage beobachten dürfen.

Geparde in Privathaltung - sie können ein riesiges Auslaufgebiet haben -
wenn es dort keine Beutetiere gibt, die sie jagen können, verkümmert die Muskulatur vollständig. Freiwillig würde ein Gepard niemals rennen, er verdöst, wie alle Katzen, den ganzen Tag.

 

 

 

 


Hier die Kurzform:

Bagheera, jetzt 12 Jahre alt und die Mama von Sheila und Leila sowie Shirkan, 10 Jahre alt, haben auf dem riesigen Gelände mit natürlichen Felsen, hohem Gras und sehr vielen natürlichen Kaninchenbauten den Himmel auf Erden.

Die beiden Geschwister (in Sheila habe ich mich auf Anhieb verliebt, seitdem sie mir ausgiebig das ganze Gesicht abschleckte) leben verhaltensgerecht in getrennten großen Gehegen, Bagheera daneben, etwas erhöht auf einem Hügel.
Shirkan hat sein Gehege (alle sehr weiträumig mit Unterkunft für kühlere Nächte, Felsen, Gräser drin) außer Sichtweite zu den weiblichen Tieren.
(wegen etwaiger Zuchterfolge).

Die Gehege (größer als in Zoologischen Gärten) sind direkt an das Wohnhaus angeschlossen, das erhöht gebaut wurde und Familie Heidenreich von jedem Platz, jedem Fenster, Übersicht auf alle Tiere hat.

Sheila und Leila kommen immer zusammen in das große Freigehege (kommt auch mal vor, dass sie keine Lust haben, da die Geparde in freier Wildbahn auch nur zum Beutekill ihren Ruheplatz verlassen).
Jede Cheetah kommt abwechselnd zu unterschiedlichen Zeiten raus, da die Wildkaninchen in der prallen Mittagshitze in ihren Bauten bleiben.

Einmal in der Woche ist für alle Geparde "Fastentag" - in der Natur müssen sie oftmals nach erfolglosen Jagden auch 2-3 Tage lang hungern.
Ansonsten bekommt jedes Tier frisches Ziegenfleisch. Dort sind alle Inhaltsstoffe drin, die Geparde für ein gesundes Leben benötigen.

Familie Heidenreich hat aufgrund ihrer langjährigen Erfahrungen wirklich alles Menschenmögliche getan, um ihren Raubkatzen ein verhaltensgerechtes Leben zu bieten.

Was für mich wie ein zur Wahrheit gewordenes Märchen wurde, waren diese täglichen Erlebnisse, mit den Geparden auf Streifzüge zu gehen, mit ihnen zu schmusen, sie hautnah beobachten zu können.
Sobald sie auf einen Menschen zu gehen, (sie mögen nicht alle Besucher, wie wir und andere Tiere, z.B. Hunde, Katzen usw. auch nicht jeden in unser Herz schließen) fangen sie wie eine Nähmaschine zu schnurren an (ab ca. 5 Meter Entfernung).

 



 

 

Sie lieben es, hinter und in den Ohren kräftig gekrault zu werden, leckten mir die Finger ab - Sheila ausgiebig mein Gesicht mit ihrer rauhen unheimlichen langen Zunge und lecken auch gerne die Haare. Genauso machen sie es miteinander (Sheila und Leila mögen sich, da sie Geschwister sind, ansonsten sind Geparde (bis auf männliche  Junggesellengruppen) Einzelgänger.

Was sie absolut nicht mögen, das ist, wenn man sie fest umfasst. Dies stellt eine Art Bedrohung dar und sie haben das Gefühl, nicht entkommen zu können.
Geparde untereinander schnurren niemals. Das kommt nur bei der Begrüßung mit einem vertrauten Menschen vor.

Gastkater Hannibal, der Bagheera decken soll (sie hatte erst zwei Würfe, wovon bei der ersten Geburt nur ein Welpe lebend geboren wurde)
wird wohl nicht das "Vergnügen" haben, Bagheera decken zu dürfen.
Auch die Cheetah`s haben ihren eigenen Geschmack, was die Wahl ihrer zukünftigen Kinder angeht. Bagheera z.B. scheint ihn nicht sonderlich anziehend zu finden.

Als beide gemeinsam im großen Freiauslauf waren, sah ich zum ersten Mal live, wie weibliche Tiere einem Kater drohen.
Die Kater (Hannibal ist bedeutend größer und kräftiger wie Bagheera, sie ist eine zierliche, wunderschöne Katze mit einem ganz feinen Gesicht und wunderschönen Augen) verziehen sich dann respektvoll, wie normale "Hauskatzen" männl. Geschlechts auch.

 

 



 

Er "bellte" häufig, wenn er die Mädels draußen im Freigehege sah.
Die beiden Geschwister, jetzt 2 1/2 Jahre alt, werden erst gedeckt, wenn sie einen regelmäßigen Zyklus haben - frühestens mit 3 Jahren. Sonst könnte man es mit einem 13jährigen schwangeren Mädchen vergleichen.

Ich lag so häufig auf der Lauer, um eine erfolgreiche Jagd zu fotografieren. Die Geparde springen so schnell mit einem Riesensatz vom Felsen oder wo sie auch immer rum liegen, dösen oder Ausschau nach etwaiger Beute halten, dass ein "Schuss" aus der Kamera leider immer nur noch ein Schwanzende (wenn überhaupt) zustande brachte.
3 mal habe ich jeweils über 1 Stunde den ganzen Freiauslauf nach den Tieren abgesucht, kroch hinterher auf dem Zahnfleisch (meine Knochen sind nicht mehr die jüngsten
J).

Ich kam mir wie in der Masai-Mara/Kenia vor. Nur mit dem Unterschied, dass ich dort im Auto saß und nicht über kleine Hügel (auf Kaninchenbauten auch noch aufpassend), mich durch hohes Gras durchkämpfen musste.

 

 

        
 

 

Wenn ein Schäfer seine Schafherde auf die Wiesen außerhalb des Geländes trieb, wären die Geparde liebend gerne über den hohen Zaun gesprungen.
Wenn auf Cheetah`s Rock rings herum eine Mauer wäre,  für Geparde ist es ein leichtes Spiel, diese zu überwinden. Durch den Maschendrahtzaun ist es ihnen nicht möglich (zum Glück).
Herr Dr. Heidenreich hat im Zaun ein kleines Loch hinein geschnitten, so dass auch Hasen in das Gehege kommen. Das ist natürlich ein besonderer Leckerbissen, da sie größer als die Wildkaninchen sind und nicht in einem Bau verschwinden können.


Gleichzeitig habe ich in dieser wundervollen Zeit noch sehr viel gelernt:
Derzeit war ein junger Star dort (Knöpfchen), der aus dem Nest gefallen war und mit der Pinzette gefüttert wurde (bei meiner Abreise war er bereits so weit, dass er in der Küche rum flog und sich am liebsten auf die Haare von Frau Heidenreich setzte). Falls es ein Männchen ist, fängt er mit ca. 3-4 Monaten zu sprechen an.
Ferner lebt dort in einer riesigen Voliere ein 20-jähriger Kolkrabe, der Frau Heidenreich als seine "Lebenspartnerin" auserkoren hat, 2 Triele, die halbtot irgendwo gefunden wurden, ebenso 5 Gartenschläfer und Tessa, eine 1-jährige Hündin.

Von Herrn Dr. Heidenreich bekam ich täglich einen Kurs "wie lerne ich richtig fotografieren". Danach wurde mir erst bewusst, was ich bislang für miese Fotos hatte, sogar online stellte…

  

Ihm habe ich diese traumhaften Bilder zu verdanken. Ich hoffe, bei meiner nächsten Kenia-Reise im Oktober (natürlich wieder in die Masai-Mara) vielleicht annähernd einige gute Fotos „schießen“ zu können.

Dort sind erschwerte Bedingungen – nur aus dem Autofenster heraus, umringt von anderen Safarifahrzeugen – zumindest habe ich jetzt einen anderen Blickwinkel beim Betrachten der Tiere und wie ich sie einigermaßen in Szene setzen kann.
Fotos in dieser Perfektion
hätte ich bislang nie fertig gebracht.

 

Bei Frau Heidenreich würde ich gerne einen Kochkurs absolvieren. Die einzelnen Gerichte waren ein absoluter Gaumenschmaus, ein 5*-Restaurant würde den Gästen nichts anderes anbieten.


Fazit: Geparde in Privathaltung sind absolut ok, wenn alles stimmt. Sie Beute jagen und erlegen können und ihr ganzes Leben sich wie in freier Wildbahn abspielt. Aber auch das Klima muss stimmen.
In Zentralspanien ist es im Dezember immer noch ca. 25 Grad warm, im Januar und Februar ist es etwas kühler.

 
Auf Cheetah`s Rock stimmt einfach alles.