Karibu Kenia

 

 

Kenia ist ein Land der Gegensätze – wovon der größte Teil der Bewohner in bitterster Armut lebt.

Für viele Menschen ist es fast unmöglich, ihre Kinder in die Sekundarschule gehen zu lassen. Für zwei Kinder z.B. sind es über acht Monatslöhne eines ungelernten Arbeiters, um das Geld für Schuluniformen, Bücher, Beitrag zum Gebäudefond und das erste Trimester aufzubringen. Kenias Frauen  müssen doppelt so viele Arbeitsstunden wie ihre Männer ableisten. Bis zu drei Tagen sind sie oft unterwegs, um das Minimum an Wasser oder Holz zu holen, das zum Überleben notwendig ist. Die nächste Wasserstelle liegt oft kilometerweit entfernt und die Schlange der Frauen mit Kanistern und Fässern ist lang.

 

Im Zentrum liegt der Ostafrikanische Grabenbruch, der Kenia von Norden nach Süden zweiteilt.

Diese massive prähistorische Erdspalte erstreckt sich von Jordanien im Nahen Osten bis ins südliche Afrika, nach Mosambik.

 

Die Bevölkerung Kenias  besteht aus rund 40 verschiedenen Völkern mit ebenso vielen Sprachen, die drei unterschiedlichen Gruppen angehören und zwar den Bantu, Niloten und den Kuschiten.

 

Fast international ist die islamische Swahili-Kultur an der Küste. Ihre Sprache, das Kiswahili dient bis Mocambique als Verkehrssprache – sie besteht aus zwei Dritteln aus Bantu-Wörtern, zu einem Drittel aus arabischen Elementen. Was ich bedaure ist, dass es  um die Zukunft des Hirtenvolkes Massai  düster aussieht.  Mehr und mehr aus ihrer Gegend vertrieben (Masai-Mara bis Tansania) geraten sie in den Strudel der Zivilisation. Evtl.  kann man es sich  damit erklären, dass sich die etwa 400.000 Köpfe zählenden kenianischen Massai in einem Stadium der Desorientierung befinden. Ihr Wertesystem ist völlig durcheinander und  sie haben an  Stolz und ihrem Selbstgefühl Schaden genommen.

 

Das Gebiet der Masai-Mara umfasst ca. 1.500 qkm. Noch vor einigen Jahren fertigten die Massai-Frauen den farbenfrohen Schmuck aus Tierknochen – heute bekommen sie die Perlen aus Tschechien. Blau ist die Farbe des Himmels, grün des Weidelandes und rot das Blut der Rinder. Die Regierung in Afrika hat sich stets mit den Nomaden schwer getan und das wird sich auch in absehbarer Zeit nicht ändern. Nach der Massai-Legende waren Erde und Himmel einst miteinander verwoben, bis Enkai, der Schöpfer, beschloß, die beiden auseinander zu reiben. Als Erde und Himmel getrennt wurden, blieben nur die Feigenbäume als Verbindung zwischen beiden. Enkai sandte über diese Bäume Vieh auf die ‚Erde hinab, als Segen für die Massai. Daher werden sowohl das Vieh als auch die Feigenbäume mit großer Ehrfurcht und Respekt behandelt. Vor den riesigen, jahrhunderte alten Baoab-Bäumen haben die Einheimischen große Angst. Es heißt in überlieferten Erzählungen, dass der Schöpfer diese Bäume im Zorn erschuf und die Wurzeln in den Himmel ragen ließ. Wenn nachts auf diesen Bäumen ein Käuzchen ruft, stirbt jemand aus dem Dorf.

 

Für die Kikuyu ist der Gipfel des Mount Kenia das geheiligte Reich Gottes Ngai, der die Welt erschaffen hat genauso wie einen Mann und eine Frau, die zusammen mit ihren neun Töchtern in einem Feigenbaumwald lebten. Ein dem Berg dargebrachtes Opfer brachte neun junge Männer aus einem Feuer hervor, die sich mit den neun Töchtern vermählten. So entstanden die neun Clans der Kikuyu. Dieser Berg wird noch heute als heilige Stätte angesehen. Dies sind nur einige der verschiedenen Mythen der über 40 Kulturen Kenias und der Volkstum und die Bräuche werden sehr geschätzt.

 

In der Landessprache wird die Landschaft und die Menschen „Maasai“ geschrieben.

 

Noch kurz einige Daten, die ich dem Weltentwicklungsbericht und dem Human-Development Report entnommen habe:

Es gibt in Kenia ungefähr 60 geschützte Nationalparks die insgesamt flächenmäßig größer sind als die Schweiz.

Kenia hat eine Fläche von ca. 582.650 qkm, Deutschland hingegen 356.945 qkm. Die Bevölkerung in Millionen kommt auf etwa 24 in Kenia, wovon ½ Mio. in Mombasa lebt und zu 60% aus Moslems besteht.

In Mombasa kann man sich ohne Gefahr tagsüber aufhalten – es ist eine multikulturelle Stadt mit sehr vielen Sehenswürdigkeiten. Handgefertigte Artikel zu kaufen ist fast ein muss für Kenia-Reisende. Wer noch „echte“ Handarbeit und keine Massenproduktion aus Asien erwerben möchte, sollte die Behindertenwerkstatt in Mombasa aufsuchen. Dort gibt es traumhafte Stücke, die nicht einmal teuer sind. Auch das Holzschnitzerdorf ist lohnenswert. Dort kann man den Holzschnitzern bei ihrem Handwerk zusehen und dann im Laden seine kunstvolle Arbeit erwerben.  Der Tourist, der sich intensiv alles ansehen möchte – dem rate ich sich ein Taxi zu nehmen oder von der Küste aus mit einem Matatu-bus (Linienbus) nach Mombasa zu fahren und die Stadt selber erkunden. Nairobi ist die größte Stadt mit den meisten Einwohnern. Dort ist auch der UN-Sitz sowie der Wildlife-Service. Die Hälfte der Bevölkerung in Nairobi lebt in Slums und in Nairobi ist die größte Kriminalität zu verzeichnen. Als Weißer ist es äußerst gefährlich – auch tagsüber. Leider ist dort auch manches mal die Polizei korrupt und einem keine Hilfe. Aber – wie überall auf der Welt – gibt es natürlich auch hilfsbereite Polizisten. Es ist keine Seltenheit, dass ein Krimineller, der Touristen überfällt, auf der Stelle erschossen wird. Im gesamten Gebiet Kenias gibt es  ca. 50% Christen, 10% Moslems und zwischen 30-40% Anhänger traditioneller Religionen und unabhängiger Kirchen.

 

Das krasse Gegenteil vom kenianischen Hochland erlebt man in den Küstenregionen, wo ein Hotel schöner ist als das andere. Die dortigen Angestellten sehen tagtäglich, wie die „reichen“ Touristen die köstlichsten Mahlzeiten zur Auswahl haben und in gepflegten, ja, fast pompösen Zimmern nächtigen. Seit einigen Jahren sind oftmals Walhaie an der Küste Kenias von Oktober bis April zu beobachten. Wissenschaftliche Untersuchungen ergaben, dass sich dort seit dem El Ninjo Milliarden von Garnelen aufhalten, die die Leibspeise dieser großen Tiere sind.

Als ich meinen Roomboy und seine Familie zu Hause besuchte und er mich danach zurück in mein Hotel brachte fragte ich ihn, weshalb er nicht seine Frau und sein Kind mitnehmen würde. Er antwortete mit einem verlegenen Lächeln, dass seine Familie diesen Reichtum nicht verstehen würde. Mir war es peinlich – ich hätte von selbst darauf kommen können…

  

Die Beachboys an den Stränden werden immer mehr von den Hotelbesitzern vertrieben. Viele Touristen beschweren sich über die „Belästigungen“ dieser Menschen, die ihre selbst gefertigten Sachen verkaufen möchten. Keiner von denen hat je eine Schule von innen gesehen – also, woher sollen sie dann eine Arbeit finden? Wovon sollen sie leben? Ihre handgeschnitzten Vogelhäuschen aus der Schale der Kokosnuß ist meisterhaft gefertigt – sie laufen barfuß durch das Riff um die schönsten Muscheln zu finden. Die Ausfuhr von Muscheln einer bestimmten Größe, Steine, Korallen usw. ist strengstens untersagt. Aber auch die kleinen Muscheln mit einer Zeichnung, die dem Leoparden ähnlich ist und andere schön geformte Muscheln können einen erfreuen.

Bei einem Badeaufenthalt in Diani Beach, im Baobab-Beach-Resort, den ich nach einer anstrengenden, aber sehr schönen Safari angetreten hatte, unterhielt ich mich morgens nach Sonnenaufgang gerne mit den einheimischen Fischern. Ich lernte viel von ihrem Leben kennen, erfuhr von ihren Sorgen und Nöten.  Für diese Menschen bedeutet Gesundheit die Kraft des Lebens. Wenn sie krank sind, können sie nicht ihre Ware anbieten und dadurch auch nichts zu essen kaufen. Was bei uns der Naturheilkundler, ist dort der Medizinmann. Aus Wurzeln, Blättern, Pflanzen mischen sie eine Rezeptur für fast jedes Unwohlsein. Ich selber leide unter einer Hitzeallergie, wo selbst die starke Salbe meines Hautarztes wenig Abhilfe schafft. Ein alter Fischer brachte mir nach einigen Stunden eine grüne, übel riechende Mixtur, die ich auf den betreffenden Stellen auftragen sollte.

Was soll ich sagen – kaum aufgetragen, hörte das quälende jucken auf und am nächsten Morgen waren alle Hitzepustelchen wie von Zauberhand verschwunden. Ich liebe Kenia…

 

Zum Abschluss noch etwas Wichtiges:

Was in Eurer Reiseapotheke auf keinen Fall fehlen sollte, sind Spritzen unterschiedlicher Stärke (bitte vom Arzt daheim versiegeln lassen, da sonst bei einer etwaigen Kontrolle der Verdacht des Drogenkonsums auftreten könnte).

Auch ein Mittel gegen akute Malaria und Mittel gegen Darmerkrankungen sollten nicht fehlen. Bei Zahnschmerzen lieber ein Schmerzmittel einnehmen und bis zu Hause warten oder einen Medizinmann um Hilfe bitten. Es gibt eine Wurzel, die betäubt den Zahn (mir erging es über Weihnachten in Tansania so) und damit kommt ihr den Rest Eures Urlaubs über die Runden.

Bitte, eßt keinen Salat (er wird ja abgewaschen), kein Eis und putzt Euch die Zähne mit dem Wasser, was in jedem Zimmer steht. Obst, was eine Schale hat, könnt Ihr auf jeden Fall verzehren. Der Fisch kommt immer fangfrisch vom Lake Viktoria und ist ein absoluter Leckerbissen.

Falls Ihr – was ich nicht hoffe – mal einen Arzt aufsuchen müßt – achtet bitte darauf, ob alles steril ist…

Eine Reisekrankenversicherung incl. „Flying Doctor“ würde ich Euch dringend ans Herz legen. In Nairobi als auch in Mombasa gibt es ein sehr gutes Krankenhaus mit einem sehr guten Ruf (leider für die armen Menschen in Kenia unmöglich – sie haben nicht einmal Geld für eine normale Krankenversicherung und müssen einen Arzt selbst bezahlen, sofern sie etwas Geld haben).

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