Tagebuch Masai-Mara 2010

 

 

(c) 2010 by Brigitte Brach

 

 

 


 

Es wird höchste zeit, dass ich endlich wieder in mein geliebtes Talek-Gebiet der Masai-Mara komme. Fast zwei Jahre ist nun meine letzte Safari in der Masai-Mara her.

 

Die Nacht vor dem Flug mit dem Stoppelhopser von Diani Beach zum Talek-Gebiet will überhaupt nicht vergehen. Ruhelos wälze ich mich hin und her...

 

Dieses mal habe ich zum ersten mal das Aruba Mara Bush-Camp am Talek-Gate gebucht. Das Camp hat Gerdi, eine deutsche, mit viel liebe zum Detail aufgebaut, es sind auch zwei Campingplätze etwas entfernt vorhanden.


 

Endlich ist es 7.00 Uhr morgens und ich fahre mit dem Taxi zum Airstrip, wo bereits Mombasa Safari Air auf mich wartet. Der Flieger ist fast voll, die anderen Gäste kommen vom Mombasa AUserport.

 

Um 8 h geht es los, ich sehe Ukunda, Tsavo, Amboseli, den Kilimanjaro aus dem Flieger und nach 1 ½ stunden (hatten keine Zwischenlandung) sehe ich die Masai-Mara unter mir.

 

 

Der Kilimanjaro (höchster Berg Afrikas, in Tanzania liegend, knapp unter 6.000 m hoch), hat nun fast gar keinen Schnee durch den Klimawandel mehr. Es ist kein schöner Anblick... - die Menschen brauchen den Schnee für ihr Wasser.

 

Der Amboseli Nationalpark – ich hatte gehofft, da es bei beginn der großen Regenzeit überall regnete, dass dort auch endlich wieder viel grün für die wenigen überlebenden Tiere dort ist – sieht aus dem Flieger immer noch staubtrocken aus. Nur wenig vereinzelte kleine Grünflächen sind zu sehen.

 

So früh wurde ich von Gerdi und einem weiteren Gast des Camps gar nicht erwartet, sie sind aber schon mit Moses, dem Masaifahrer und Guide dort und nehmen mich herzlich in Empfang.

 

Der Weg zum Camp führt mich durch sehr bekannte Regionen und ich sehe die ersten Gnuherden. Was ist das denn???

 

Normalerweise treffen die ersten Gnuherden erst Mitte/Ende Juli in der Masai-Mara, Talek-Gebiet ein. Vom Flieger aus dachte ich schon, die einzelnen Punkte unter mir können doch unmöglich schon Gnus sein...

 

 

Etliche tausend sind schon auf dem weg zum Mara-River, wo sie dann wieder über dem Fluss nach Tanzania gehen. Der Mara-River sieht bedrohlich breit und tief aus.

 

Auch viele äsende Tiere begrüßen mich auf dem Weg zum Camp.

 

Im Talekdorf ist gerade Markt und ich sehe viele Einwohner dort ihr Gemüse usw. kaufen.

 

 

Das Camp liegt dicht beim Talekdorf, am Talek-Gate und ich werde von einem großen schwarzen Hund und dem Personal begrüßt, der übliche Willkommensdrink und ein Tuch zum Gesicht und Hände waschen fehlt natürlich auch nicht.

 

Von meinem Zelt aus (es gibt 6 liebevoll eingerichtete, sehr komfortable Zelte, der Strom kommt von 2 Generatoren und einer Solaranlage) kann ich auf den Talekriver sehen und höre ein Hippo schnaufen.

 

Das Essen ist super und ich freue mich auf die erste Pirschfahrt.

 

 

Stelle fest, dass der Monat nach der Regenzeit nicht gut für mich persönlich ist. Das Gras ist sehr hoch und blüht, die Großkatzen kann man unmöglich dort finden, wenn sie im Gras schlafen oder evtl. ein Gepard irgendwo unter einem Busch im Schatten liegt.

 

Bin erstaunt, wie heiß es doch im Juni in der Mara tagsüber ist.

 

Ich freue mich sehr, sehen wir doch Löwen mit 5 halbstarken Kindern und wenig später in der nähe des kleinen Flusses Beute eines Leoparden im Baum.

 

 

Wir umrunden einen großen Teil der Büsche, können aber den Leoparden nirgendwo finden. Nun ja, das Spiel kenne ich seit Jahren. Leoparden aufzuspüren ist reine Glücksache und bin nicht enttäuscht.

 

Nach dem Abenddiner wird noch geplaudert und ich gehe ins Zelt, wo ich unter der dicken Bettdeck noch eine Wärmflasche vorfinde. Es ist sehr kalt, ca. 8 oder 10 Grad in der Nacht und in weiser Voraussicht habe ich mir auch Socken, dicke Strickjacke usw. eingepackt.

 

Abends gehe ich mit 3 angestellten des Camps und dem anderen deutschen Gast ins Dorf in eine Dorfkneipe, um das Fußballspiel Ghana-Deutschland anzugucken. Die Satellitenschüssel im Camp ist leider defekt, aber das ist kein Problem ... bin ja wegen der Tiere und nicht wegen fernsehen hier.

 

War schon eine neue Erfahrung für mich, inmitten lauter Dorfbewohner auf einer unbequemen Bank das Spiel zu verfolgen. es wurden in aller Eile noch Plastikstühle herangeschleppt und der kleine Raum füllte sich im nu.

 

Voller Eindrücke versuche ich zu schlafen, aber ich höre die Dorfhunde bellen und eine Hyäne in der Nähe. Erst gegen 2.30 h schlafe ich endlich etwas ein.

 

Am nächsten Morgen erfahre ich, dass zeitweise eine Hyäne des Talekrudels in der Nacht ins Dorf geht und eine Ziege reißt.

 

Ist bitter für die Dorfbewohner, für die Hyäne selbst ist es leichte Beute.

 

 

Heute habe ich einen vollen Tag Gamedrive. Wir fahren nach dem ausgiebigen Frühstück los und ich bin heilfroh, so ein Glück mit dem anderen Gast zu haben, der mit mir zusammen auf Pirschfahrten geht. Das Auto ist sehr geräumig und groß, der Fahrer, ein Massai, hat scharfe Adleraugen, wie fast alle Guides.

 

Wir fahren gemächlich Richtung Mara-River und sehen eine Löwin mit 2 Kindern. Die Jungtiere haben eine sehr faltige Haut, sind aber wohlgenährt. Der Fahrer erklärt uns, das die jungen in diesem alter öfters eine faltige Haut, bedingt durch das schnelle Wachstum in dieser Phase haben.

 

 

Andere Katzen können wir leider wegen dem sehr hohen Gras nicht sehen.

 

Sehen die üblichen Tiere und bereits im Mara-Gebiet relativ viele Gnus, Zebras und Topis.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Der Mara-River ist aufgrund der vielen Regenfälle stark angestiegen und dieses Jahr werden es die Gnus schwer haben, ihn ohne Beinbrüche, gefressen werden von Krokodilen, ihn zu überqueren.

 

Ich bin glücklich, dass Nebensaison und dadurch kaum andere Autos zu sehen sind.

 

Direkt am Mara-River steigen wir aus und essen unsere leckeren Lunchpakete. Unter uns liegt auf dem Stein ein riesengroßes Krokodil. Sieht sehr gefährlich aus.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Später, als wir langsam wieder eine andere Richtung einschlagen wollen, um langsam zurück zum Camp zu fahren, sehen wir, wie ein paar hundert Gnus am Rand des Flusses stehen und rüber auf die andere Seite wollen. Also ist warten angesagt.

 

Sooo früh war noch nie der beginn der Migration und wenn es so weiter geht, wird wohl im Oktober nur noch eine Nachhut hier sein.

 

Pech gehabt. Ich hätte es dem anderen Gast gegönnt, eine Migration über den Fluss zu sehen. Er ist das erste mal in Kenya und es macht Spaß, ihm alles zu erklären.

 

Heute morgen (wir fahren kurz vor 6.30 h morgens los, nachdem Kaffee ans Zelt gebracht wurde) sehen wir eine Löwin mit 3 Teenager. Das Gras ist leider zu hoch für ein gutes Foto.

 

Mein Herz klopft vor lauter Freude: wir sehen Löffelhunde (eine Fuchsart), die selten zu sehen sind, weil sie normalerweise oft direkt in ihrem Bau verschwinden, sobald ein Fahrzeug sich nähert. Beobachte die beiden eine lange zeit, das dritte guckte mal scheu für einige Sekunden aus dem Bau.

 

Sehen noch die üblichen äsenden Tiere, wieder viele Warzenschweine und ein Geier sitzt am Wegesrand.

 

Um 11 h mache ich eine Buschtour mit einem Maasai zu Fuß hoch zum Maasaidorf. Das Dorf selber schaue ich mir nicht an, habe es früher bereits gesehen.

 

Nachmittags geht es wieder raus auf Pirsch. Ich kann es nicht fassen: fast am Wegesrand an einem Busch sitzt ein Gepardenweibchen und frisst genüsslich eine Thompsongazelle.

 

 

Die alten 3 Cheetahbrüder gibt es nicht mehr, ebenso wenig die Gepardin Keke. Diese hier kann ich nicht einordnen, von welcher Mutter sie sein könnte. Ca. 3 Jahre alt und ein sehr schmales Gesicht. Bin froh, dass es ein Weibchen ist, so ist gesichert, dass es irgendwann mit Glück wieder überlebenden Nachwuchs gibt.

 

Sie liegt kurz hinter dem Talek-Gate mit vollem Bauch. Die vergangenen Gamedrives suchen wir vergeblich eine Cheetah und hier finden wir eine kurz hinter dem Camp im Nationalpark vor.

 

Die Sonne …geht auf Stelzen... irgendwo in der Ferne regnet es. Viele Gnus laufen wieder in einer Linie auf ihrem beschwerlichen Weg nach Tanzania.

 

Fahren wieder am kleinen Fluss vorbei und sehen auf einem anderen Baum wieder getötete Beute vom Leoparden. Von ihm selber keine Spur.

 

Heute ist nun leider mein letzter Tag (war nur 3 Nächte in der Masai-Mara) und wir brechen zur Morgenpirsch frühmorgens auf.

 

Sehen junge männliche Löwen im hohen Gras. Ich vermute, ca. 4 oder 5, genau kann man sie nicht sehen.

 

 

 

Oh, wir haben Glück ... sehen 2 unterschiedliche große Hyänenrudel am Wegesrand. Sie sind nervös, laufen hin- und her, dahinter ist eine Gnuherde.

 

Der Fahrer sagt, weil ich hoffte, sie gehen auf die Jagd, sie haben ihre getötete Beute in den Büschen und da es zwei unterschiedliche Rudel sind, gehen sie sich aus dem Weg und jede Gruppe versucht, weiter zu fressen.

 

Der Fahrer will mit mir auf dem Weg zum Airstrip früher losfahren, um noch dabei eine letzte Pirschfahrt zu machen. Habe natürlich nichts dagegen. Kurz nach 11 h fahren wir los, mein Flieger geht gegen 14 h.

 

Das ist ein schönes Abschiedsgeschenk: drei Cheetahbrüder, ca. 3 Jahre alt, sitzen mitten im Grasland (hier ist das Gras nicht sehr hoch) auf einem kleinen Hügel. Ich sehe sie mir mit dem Fernglas näher an, kann aber an den Gesichtern leider auch nicht erkennen, ob es Nachwuchs einer Cheetah ist, die ich kenne / kannte.

 

 

Bin jedenfalls glücklich, dass ich kurz vor dem Rückflug noch einmal in aller Ruhe Geparde sehen konnte.

 

Um zwei Erfahrungen reicher, nämlich, dass für mich als Cheetahfan diese Jahreszeit ungünstig ist und drei Nächte/vier Tage in der Masai-Mara effektiv zu wenig sind, steige ich schweren Herzens in den Flieger.


 

Ich komme wieder!!!!


 

Alle Fotos (c) 2010 by Brigitte Brach